Der öffentliche Personennahverkehr wird häufig vor allem als Kostenfaktor betrachtet. Doch welchen wirtschaftlichen Wert schafft ein leistungsfähiger ÖPNV für eine Region?
Im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz des Saarlandes (MUKMAV) hat MCube Consulting diese Frage erstmals umfassend für das Saarland untersucht. Das zentrale Ergebnis: Der ÖPNV ermöglicht im Saarland im Mittel rund 870 Millionen Euro Wertschöpfung pro Jahr. Dem stehen jährliche Kosten des ÖPNV-Systems von rund 309 Millionen Euro gegenüber. Rechnerisch ergibt sich damit ein Verhältnis von 1 zu 2,8.
Der wirtschaftliche Beitrag des ÖPNV endet nicht bei Bus- und Bahnunternehmen. Allein innerhalb der ÖPNV-Branche und bei verbundenen Zulieferern und Dienstleistern entstehen jährlich rund 106 Millionen Euro direkte und indirekte Wertschöpfung. Damit verbunden sind rund 2.370 Arbeitsplätze.
Noch größer sind die Effekte, die der öffentliche Verkehr in anderen Wirtschaftsbereichen ermöglicht. Untersucht wurden unter anderem Einzelhandel, Tourismus, Immobilienwirtschaft und Pendelverkehr.
Besonders deutlich zeigt sich die Bedeutung beim Zugang zum Arbeitsmarkt: Für den Pendelverkehr ermittelt die Studie eine Wertschöpfungswirkung von rund 470 Millionen Euro pro Jahr. Ein funktionierender ÖPNV ermöglicht Beschäftigten, ihren Arbeitsplatz zu erreichen, und erweitert gleichzeitig den Einzugsbereich von Unternehmen für Arbeits- und Fachkräfte.
Neben diesen wirtschaftlichen Effekten berücksichtigt die Studie auch gesellschaftliche Folgekosten des Verkehrs. Durch die heutige Nutzung von Bus und Bahn werden im Saarland jährlich rund 82 Millionen Euro externe Kosten vermieden. Berücksichtigt werden dabei unter anderem Verkehrsunfälle, Treibhausgas- und Luftschadstoffemissionen, Lärm und Flächenverbrauch. Ergänzend betrachtet die Untersuchung qualitative Mehrwerte, die sich nicht vollständig monetarisieren lassen – beispielsweise Barrierefreiheit, gesellschaftliche Teilhabe, selbstständige Mobilität und eine verbesserte Aufenthaltsqualität.
Methodisch baut die Untersuchung auf der 2025 von MCube Consulting gemeinsam mit der Initiative Zukunft Nahverkehr erarbeiteten deutschlandweiten Wertschöpfungsstudie auf. Die Bundeswerte wurden jedoch nicht einfach proportional auf das Saarland übertragen. Stattdessen wurde eine eigenständige regionale Berechnung durchgeführt. Eingeflossen sind unter anderem Daten aus einer Befragung saarländischer Verkehrsunternehmen, amtliche Statistiken, Beschäftigungsdaten, regionale Studien z.B. im Tourismus sowie die saarlandspezifische Auswertung der Studie „Mobilität in Deutschland 2023“.
Eine weitere Besonderheit ist der sogenannte Saarlandfaktor: Indirekte Wertschöpfung wird nur insoweit dem Saarland zugerechnet, wie die entsprechenden Vorleistungen tatsächlich innerhalb des Bundeslandes erbracht werden. So zeigt die Analyse beispielsweise, dass rund 54 Prozent der rechnerisch ausgelösten indirekten Wertschöpfung der ÖPNV-Branche außerhalb des Saarlandes entstehen – und entsprechend nicht als saarländische Wertschöpfung gezählt werden.
Neben dem Status quo untersucht die Studie auch mögliche zukünftige Effekte der im Verkehrsentwicklungsplan vorgesehenen Schienenreaktivierungen. Für die betrachteten Ausbauszenarien ergibt die Prognose eine zusätzliche jährliche Wertschöpfung von 25,0 beziehungsweise 29,8 Millionen Euro. Dem stehen zusätzlichen Kosten von 10,9 beziehungsweise 13,0 Millionen Euro stehen gegenüber, was Kosten-Nutzen-Verhältnisse von 2,29 beziehungsweise 2,30 ergibt. In allen Zukunftsszenarien sind die Investitionen wirtschaftlich sinnvoll.
Die Ergebnisse zeigen, wie eng Mobilität und regionale wirtschaftliche Entwicklung miteinander verbunden sind. Von einem leistungsfähigen öffentlichen Verkehr profitieren nicht nur Verkehrsunternehmen und ihre Beschäftigten. Seine Wirkungen reichen in den Arbeitsmarkt, den Einzelhandel, den Tourismus und weitere Wirtschaftsbereiche hinein. Damit erweitert die Studie die Betrachtung des ÖPNV um eine volkswirtschaftliche Perspektive: Neben den erforderlichen Ausgaben werden auch wirtschaftliche Aktivität, Beschäftigung, Arbeitsmarktzugang sowie vermiedene gesellschaftliche Folgekosten sichtbar.
Mit der Saarland-Studie überträgt MCube Consulting das für die deutschlandweite Untersuchung entwickelte Wertschöpfungsmodell erstmals umfassend auf die spezifischen wirtschaftlichen und verkehrlichen Strukturen eines Bundeslandes.
Projektteam MCube Consulting: Dr.-Ing. Felix Waldner, Dr.-Ing. Daniel Schröder, Lea Merk und Katharina Leitner.
Hier geht’s zum Kurzbericht / zur vollständigen Studie.
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Was ist MOSAIQ?
Stellt Euch etwas vor: Es gibt mehr Platz für Menschen. Die Straßen haben mehr Bäume und Pflanzen. Alle Menschen können sich besser fort∙bewegen. So könnte Euer Stadt∙teil Schwabing-West in Zukunft sein. Wie wünscht Ihr Euch Euren Stadt∙teil? Darüber wollen wir mit Euch sprechen!
Das Projekt heißt: MOSAIQ. MOSAIQ ist ein Forschungs∙projekt. MOSAIQ bedeutet: Mobilität und Stadt-Klima im Zukunfts-Stadt∙teil. Die Technische Universität München leitet das Projekt.
Worum geht es bei MOSAIQ?
MOSAIQ will die Straßen im Stadt∙teil schöner machen. Die Menschen sollen sich dort wohlfühlen. Es soll mehr Platz geben. Zum Beispiel für Treffen und für Pflanzen. Ihr könnt mit∙entscheiden, was im Stadt∙teil ausprobiert wird. Die Ideen kommen von Euch. Manche Ideen werden für eine bestimmte Zeit auf den Straßen ausprobiert.
Das Ziel von MOSAIQ ist: Die Stadt∙teile sollen gute Orte zum Leben werden.
Gleichzeitig soll das Klima in der Stadt besser werden. Und die Menschen sollen sich gut in der Stadt bewegen können.
Was passiert im Stadtteil?