Die Anreise zur MCube Speaker Series im SAP Lab in Garching war dieses Mal der perfekte Aufhänger, um über die Mobilität der Zukunft zu sprechen. Aus dem Publikum hörte man mehr als einmal, dass die Option, mit dem eigenen Auto zu kommen, deutlich schneller und komfortabler war als mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und einem Fußweg von 18 Minuten von der U-Bahn-Haltestelle.
Genau dieser Herausforderung widmete sich bereits tagsüber das Reallabor des MCube-Projekts ReFuMoLab. Zwei Tage lang können SAP- und Siemens-Mitarbeitende Testfahrten mit dem autonomen Shuttle EDGAR (Excellent Driving Garching) der TUM über den Campus ausprobieren – die Plätze waren schnell belegt und die Frage, wann das autonome Shuttle denn dauerhaft eingesetzt werde, kam oft auf – eine Antwort gibt es bislang noch nicht.
Genügend Impulse zur Mobilität im Jahr 2035 gab es dafür am Abend, den Isabella Waldorf, Projektleiterin des ReFuMoLab Garching, führte. Eines der eindrücklichsten Statements kam aus dem Publikum: Engagierte Garchinger Stadträtinnen meldeten sich zu Wort und machten deutlich, dass ihnen im politischen Alltag oft an Fachwissen zu Mobilitätsthemen fehlt. Ihr Appell an die Runde war ebenso direkt wie sympathisch: „Schult uns!“
Gerade in Garching, wo die Erschließung eines großen Neubaugebiets ansteht und moderne Mobilitätskonzepte benötigt werden, ist der Bedarf an Wissenstransfer zwischen Forschung und kommunaler Praxis groß. Deshalb signalisierte Oliver May-Beckmann, Geschäftsführer von MCube, auch sofort Bereitschaft, hier anzusetzen und kommunale Entscheidungsträger*innen künftig gezielt in Mobilitätsfragen zu schulen.
Zuvor sorgte jedoch die tagesaktuelle Nachricht zum Start von Waymo in München für den Auftakt der Keynote von Nijinshan Karunainayagam, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Fahrzeugtechnik der TUM, und Markus Lienkamp, Professor am selben Lehrstuhl.
Die Keynote griff die Frage auf, warum autonomes Fahren in den USA und China bereits Realität ist, während es in der EU und in Deutschland noch kein marktreifes Fahrzeug gibt. Hier setzt EDGAR an und versucht mit Testfahrten in München, auf dem Oktoberfest und sogar in Berlin aufzuholen.
Professor Lienkamp erläuterte den technischen Ansatz hinter EDGAR: Statt eines Millionenbudgets und einer großen Flotte setzt das Projekt auf mehrere kombinierbare Software-Stacks. Er verwies zudem auf die hohe Sicherheitsanforderung an autonome Fahrzeuge: Rund 10⁹ gefahrene Kilometer ohne Todesfall im Vergleich zu 100 Millionen Kilometern bei menschlichen Fahrer*innen bräuchte es, um gesellschaftliche Akzeptanz für das autonome Fahren zu erreichen.
In weiteren Kurzimpulsen erklärte Sebastian Wagner (SAP), wie die globale Umstellung der Firmenflotte auf E-Antrieb funktionierte, sowie die Schwierigkeit, den Standort Garching gut anzubinden – mit dem Hinweis, dass es weniger um komplett neue Infrastruktur gehe als darum, bestehende Infrastruktur intelligenter zu nutzen.
Camila Barquero, Mobilitätsbeauftragte der Stadt Garching, zeigte die kommunale Perspektive auf die Mobilität von 2035. Dabei ging es nicht um autonomes Fahren als alleinstehende Lösung, sondern um autonomes Fahren als Ergänzung zu sozialgerechten Mobilitätskonzepten, die nicht nur sicher und zuverlässig sind, sondern auch nachhaltig und für unterschiedliche Bedürfnisse zugänglich.
Stefan Kretzschmar (DB Regio) sprach über die Vernetzung verschiedener Mobilitäts-Apps und darüber, wie Insellösungen auch beim autonomen Fahren eher ein Hindernis als eine nachhaltige Alternative zum motorisierten Individualverkehr darstellen. Er sagte: „Wir brauchen mehr als nur die autonomen Fahrzeuge. Wir müssen die Technologie dahinter verknüpfen und mehr Möglichkeiten für eine vernetzte Reisekette schaffen.“
Auch Ludger Meyer (Siemens AG) verstand autonome Fahrzeuge nicht nur als Allheilmittel, sondern verwies auch auf die benötigte Infrastruktur für moderne Mobilitätskonzepte, die nicht immer neu geschaffen, sondern oft nur besser genutzt werden muss. Er machte deutlich, dass autonome Fahrzeuge mit nur einem Mitfahrer etwa das Problem von Staus nicht lösen würden: „Autonomes Fahren darf nicht nur eine Addition zur Mobilität sein, es muss eine Kombination sein.“
Durch alle Beiträge zog sich ein gemeinsamer Tenor: Autonomes Fahren wurde von keinem Panel-Gast als alleinige Lösung für die Mobilität der Zukunft gesehen. Stattdessen war man sich einig, dass autonome Fahrzeuge nur als Baustein eines intermodalen, multimodalen Mobilitätskonzepts sinnvoll sind – als Ergänzung bestehender Angebote, nicht als deren Ersatz.
In der offenen Publikumsdiskussion wurde dieser Gedanke aufgegriffen: mit Fragen zu Carpooling- und Sharing-Angeboten, zur Rolle des Fahrrads im Jahr 2035 und der Sorge, ob der Erfolg von Anbietern wie Waymo die Mobilität am Ende wieder in Richtung eines monomodalen Systems zurückdrehen könnte, statt sie multimodaler zu machen.
Der Abend machte deutlich, dass die künftige Mobilität keine rein technische Frage ist. Sie entsteht im Zusammenspiel von Technologie, Infrastruktur, Betrieb und – wie der Appell der Garchinger Stadträtinnen eindrücklich zeigte – vor allem auch von Wissen und Austausch zwischen Forschung und kommunaler Praxis.
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Was ist MOSAIQ?
Stellt Euch etwas vor: Es gibt mehr Platz für Menschen. Die Straßen haben mehr Bäume und Pflanzen. Alle Menschen können sich besser fort∙bewegen. So könnte Euer Stadt∙teil Schwabing-West in Zukunft sein. Wie wünscht Ihr Euch Euren Stadt∙teil? Darüber wollen wir mit Euch sprechen!
Das Projekt heißt: MOSAIQ. MOSAIQ ist ein Forschungs∙projekt. MOSAIQ bedeutet: Mobilität und Stadt-Klima im Zukunfts-Stadt∙teil. Die Technische Universität München leitet das Projekt.
Worum geht es bei MOSAIQ?
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Das Ziel von MOSAIQ ist: Die Stadt∙teile sollen gute Orte zum Leben werden.
Gleichzeitig soll das Klima in der Stadt besser werden. Und die Menschen sollen sich gut in der Stadt bewegen können.
Was passiert im Stadtteil?