Wie stark der Klimawandel und extreme Hitzewellen urbane Räume unter Druck setzen, ist längst Realität – doch wie verwandeln wir unsere Städte in klimaresiliente Lebensräume? Diese dringende Frage stand im Mittelpunkt der 27. MCube Speaker Series im Deutschen Museum Verkehrszentrum, die im Rahmen der ersten Munich Climate Week mit etwa 120 Gästen stattfand. Das ausgebuchte Haus verdeutlichte, wie hoch der Handlungsbedarf und das Interesse am interdisziplinären Austausch sind.
Mareike Schmidt (TUM, Professur für Urban Design / MOSAIQ) brachte es zu Beginn auf den Punkt: „Wir wissen, was wir gegen den Klimawandel machen müssen, aber warum machen wir es nicht einfach?“ Anhand des MCube-Innovationsprojekts MOSAIQ stellte sie die zeitlich befristete, testweise Umgestaltung an der Kreuzung Nanga-Parbat-Straße in Moosach und in Schwabing-West, etwa am Apianplatz und an der Fallmerayerstraße, vor. Dort sorgen temporäre Maßnahmen für sichere Fuß- und Radwege, mehr modulare Begrünung sowie neue Aufenthalts- und Begegnungsorte. Das schärfe das Bewusstsein dafür, wie Straßenräume im Quartier völlig neu gedacht werden können, erklärte Schmidt.
Dr. Konrad Schönleber vom Referat für Klima- und Umweltschutz der Stadt München beleuchtete die extremen Hitzewellen der vergangenen Sommer in der Stadt. Er zeigte auf, wie wichtig fundierte Stadtklimaanalysen sind, die auch komplexe dynamische Faktoren wie autochthone Wetterlagen, thermische Windsysteme und den Einfluss von Alpenwinden berücksichtigen. Als Ziel stellte er die 3-30-300-Regel vor, die unter anderem eine 30-prozentige Kronenüberschirmung im Straßenraum vorsieht. Anhand des Beispiels der Sendlinger Straße verdeutlichte er die Wirkung: Während der Status Quo mit unter 10% Überschirmung zu extrem starker thermischer Belastung führt, senkt eine grüne Gestaltung mit 30% Kronenüberschirmung den Wert deutlich. Neben fehlenden Finanzmitteln und Personal kommt es bei der Umsetzung auch auf starken öffentlichen Druck an, um das notwendige politische Commitment im Stadtraum durchzusetzen.
Prof. Dr.-Ing. Daniele Santucci von ClimateFlux stellte die dringende Frage: „Wie heiß ist die Stadt wirklich?“ Mit partizipativen Klimaspaziergängen demonstrierte er, wie hochauflösende Mikroklimadaten erhoben werden können. Als konkrete Anwendungen stellte er dabei CoolStreet zur gesundheitsfördernden Komfortnavigation sowie KLIMHAP zur Bereitstellung von KI-generierten, hochauflösenden Mikroklimaprognosen zur Unterstützung des städtischen Hitzeaktionsplans vor.
Michael Masnitza, Co-Founder und CEO von ChargeX, machte unmissverständlich klar: „Laden muss alltagstauglich sein.“ Da Tiefgaragen in München tagsüber oft zu 20 bis 40% leer stehen, während auf der Straße Ladeinfrastruktur aufwändig und teuer im Tiefbau nachgerüstet werden muss, forderte er: „Wir haben genügend Stellplätze. Wir müssen sie nur richtig nutzen!“ Das Laden direkt am Straßenrand sollte nach Möglichkeit vermieden werden.
Prof. Dr. Simone Linke von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf widmete sich dem Raumkonflikt und fragte: „Wem gehört der Raum in der Stadt?“ Da der öffentliche Raum bereits stark verteilt ist, müssen Städte diese Prioritäten neu aushandeln. Zudem betonte sie, dass eine dringend notwendige städtebauliche Nachverdichtung niemals auf Kosten des Stadtklimas gehen darf.
In der anschließenden Podiumsdiskussion debattierten die Expert*innen mit MCube-Geschäftsführer Oliver May-Beckmann darüber, wie Innovationsprojekte wie MOSAIQ direkt in die städtische Praxis überführt werden können, statt ungenutzt zu bleiben. Dabei ging es auch um die Frage, warum es städtische Kampagnen abseits von klassischen Verboten braucht – etwa durch die Förderung von Car-Sharing, wie das MCube-Projekt ComfficientShare 2.0 – und wie der Baumentscheid die Stadtpolitik prägt.
Das Publikum brachte sich im Anschluss intensiv ein und diskutierte über die Balance zwischen fließendem und ruhendem Autoverkehr und dem dringend benötigten Ausbau von Grünflächen und Bäumen im urbanen Raum.
Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden, die tollen Speaker und das wunderbare Publikum für diesen inspirierenden Abend im Rahmen der Munich Climate Week!
Fotos: Matthias Grundei
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Was ist MOSAIQ?
Stellt Euch etwas vor: Es gibt mehr Platz für Menschen. Die Straßen haben mehr Bäume und Pflanzen. Alle Menschen können sich besser fort∙bewegen. So könnte Euer Stadt∙teil Schwabing-West in Zukunft sein. Wie wünscht Ihr Euch Euren Stadt∙teil? Darüber wollen wir mit Euch sprechen!
Das Projekt heißt: MOSAIQ. MOSAIQ ist ein Forschungs∙projekt. MOSAIQ bedeutet: Mobilität und Stadt-Klima im Zukunfts-Stadt∙teil. Die Technische Universität München leitet das Projekt.
Worum geht es bei MOSAIQ?
MOSAIQ will die Straßen im Stadt∙teil schöner machen. Die Menschen sollen sich dort wohlfühlen. Es soll mehr Platz geben. Zum Beispiel für Treffen und für Pflanzen. Ihr könnt mit∙entscheiden, was im Stadt∙teil ausprobiert wird. Die Ideen kommen von Euch. Manche Ideen werden für eine bestimmte Zeit auf den Straßen ausprobiert.
Das Ziel von MOSAIQ ist: Die Stadt∙teile sollen gute Orte zum Leben werden.
Gleichzeitig soll das Klima in der Stadt besser werden. Und die Menschen sollen sich gut in der Stadt bewegen können.
Was passiert im Stadtteil?